Das Apfelmännchen

Es ist eine Alltagserfahrung: Strukturen büssen schnell ihre Ordnung ein, wenn man sich nicht darum kümmert. Es gibt Leute, die behaupten, ohne Chaos würde nichts Neues entstehen. Darauf muss man aber sicher sehr lange warten, denn man weiss, dass die Natur keine Sprünge macht.

Auch der Computer hat nichts gegen das Chaos unternommen. Im Gegenteil: Er versteckt es unter immer schöneren Oberflächen und lagert es seit neuestem in der Cloud. Man kann es jetzt googeln. Aber allmählich wächst es jedem über den Kopf.

Woher kommt das Chaos?

Das Apfelmännchen gibt uns einen Hinweis. Dieses geometrische Muster entsteht, wenn man das Resultat einer bestimmten Formel immer wieder in die Formel einsetzt. Man nennt das eine Rekursion. Wie das funktioniert, kann man in Wikipedia nachlesen. Von dort stammt auch das Bild. Entscheidend ist, dass man beliebig tief eintauchen kann: Das Muster wiederholt sich bei jeder Vergrösserung.

Und was genau hat das mit dem Management zu tun?
Es hat damit zu tun, dass man sich überlegt, was passiert, wenn jemand ein Mail schreibt. Wenn es die Empfänger beantworten oder weiterleiten, wird es zum Ausgangspunkt eines neuen Mails. Und dann nochmals, immer wieder. Das heisst, es ist eine Rekursion. Mathematisch formuliert und grafisch aufgezeichnet, entstünde ein Bild mit den Eigenschaften eines Apfelmännchens. Mails sind der Ursprung eines rekursiven Systems. Und Rekursionen führen ins Chaos. Zum Glück bricht das Chaos ab, wenn der Mail-Faden reisst, oder die Geduld, oder wenn die Schreiber irgendwann müde werden. Aber die Müllabfuhr kommt nie vorbei.

Egal, ob es sich um den Verwaltungsrat, die Geschäftsleitung oder eine Abteilung handelt: Mails erzeugen Muster wie Apfelmännchen.

Es lohnt sich also, über neue Formen der Zusammenarbeit nachzudenken: Mails sollen nur geschrieben werden, wenn es nicht anders geht. Manchmal geht es auch mündlich und erst noch schneller. Mail-Fäden müssen kurzgehalten werden. Sie dürfen nur ein einziges Thema behandeln. Details sind wegzulassen. Diese müssen den Empfängern direkt zugänglich sein. Ganz unzulässig sind Anhänge. Intensiver Mail-Verkehr ist oft ein Hinweis auf organisatorische Schwachstellen und Kompetenz-Gerangel. Abhilfe schafft nur die konsequente Zuordnung der Verantwortung.

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